Die Wittorfer Burg

Ein mittelalterliches, sächsisches Bollwerk gegen die Slawen: Im frühen Mittelalter war das heutige westliche Schleswig-Holstein noch Heimat von sächsischen Germanenstämmen, die erst zu Beginn des 9. Jahrhunderts von Karl dem Großen unterworfen und in das Frankenreich eingegliedert wurden.

WittorfAltes Gemälde Wittorfer Burg

Von dieser Zeit an wurden etliche Schutz- und Trutzburgen an der östlichen Reichsgrenze zur Absicherung gegen die damals benachbart siedelnden slawischen Stämme erbaut. Eine dieser Anlagen war auch die im Sachsengau Faldera am Zusammenfluss von Stör und Schwale gelegene, von uns heute “Wittorfer Burg” genannte.
Wie eine der vielerorts noch erhaltenen spätmittelalterlichen Steinburgen dürfen wir sie uns allerdings nicht vorstellen. Vielmehr dürfte es sich um eine mit einem Erdwall und Holzpalisaden umschlossene kleine Ansiedlung gehandelt haben, die aber wegen ihrer Lage auf einer kleinen Erhebung inmitten der sonst sumpfigen und morastigen Flussniederungen leicht zu verteidigen war. Sie bot den im Umland siedelnden Menschen Rückzugsmöglichkeit und Schutz bei Angriffen der Nachbarstämme und war wohl auch der Sitz des sächsischen Gauverwalters, des so genannten Overboden.
Der Ort, an dem Sie hier und jetzt stehen, hat für die Geschichte Neumünsters eine zentrale Bedeutung. Nur wenige 100 Meter nordwestlich der Burg befand sich bereits im 4. und 5. Jahrhundert – also lange vor der Gründung Neumünsters durch den Mönch Vicelin – eine sächsische Siedlung. Ob diese auch noch 500 Jahre später, zeitgleich mit der Burg bestand, ist nicht sicher, aber zu vermuten.
Offensichtlich hat die besondere Ortslage immer schon eine siedlungsgeschichtliche Bedeutung gehabt. Neben dem Schutz der Ansiedlung durch die umgebenden sumpfigen Niederungen dürfte sich auch eine
Überwegungsmöglichkeit über die Schwale an der Stelle befunden haben, in Form einer Brücke oder eines Bohlenweges mit Furt durch die Niederung. Dafür sprechen Funde von bohlenartig bearbeiteten Eichenstämmen, die man bei Arbeiten am Gewässer in den 1950er Jahren und 2006 machte.
Diese Funde legen nahe, dass die Burganlage in dem schwer passierbaren Niederungsbereich wohl auch einen
oder zwei zentrale Handelswege kontrollierte, die sich hier kreuzten. Zollerhebung und Kontrollfunktion könnten dazu geführt haben, dass diese Ansiedlung im Gau Faldera eine derartige Bedeutung im 12. Jahrhundert erlangte, dass der Mönch Vicelin deshalb genau hier hingeschickt wurde, um mit seinen Missionierungen zu beginnen und deshalb genau hier Neumünster gründete.

Im Südwesten Neumünsters liegt der Stadtteil Wittorf. An seinem Rande, wo die Schwale in die Stör mündet, befinden sich die Reste der einstigen Wittorfer Burg. Von Neumünster-Wittorf aus erreicht man die Wittorfer Burg über die Burgstraße. Sie befindet sich direkt hinter der Eisenbahnlinie Neumünster – Hamburg und ist vom Waldparkplatz aus zu Fuß zu erreichen. Benutzen Sie die Brücke unter der Bahnüberführung.