Der Ochsenweg

Neumünster war und ist aufgrund seiner zentralen Lage in Schleswig-Holstein schon immer ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt gewesen. Auch in Zeiten, als es weder Autobahnen noch Eisenbahnen gab, war dies schon so.

Auf dem Ochsenweg fand über die Jahrhunderte nicht nur Viehtrieb statt. Hier marschierten auch Soldaten (dänisch: Haervejen!), zogen Pilger auf dem Jakobsweg durch das Land und er hatte vor allem auch herausragende Bedeutung als allgemeine Handelsroute. Er verband die nördlichen, dänischen Gebiete mit den südlichen Umschlagplätzen und der Nordseeküste mit ihren Häfen.
In Neumünster kreuzte diese Route den im 14. Jahrhundert wichtigsten in Ost-West-Richtung verlaufenden Handelsweg, die so genannte “Lübsche Trade”. Dieses Wegesystem verband vor allem die Hansestadt Lübeck und damit den ganzen Ostseeraum mit den damals noch bedeutenderen Häfen Heide und Husum an der Nordseeküste.
Bis ins 16. Jahrhundert wächst die Bedeutung Neumünsters im Lande. Hier ist Zollnebenstelle und Viehmarkt. Vor allem die “Branche” der Fuhrunternehmer profitiert von der Entwicklung. In der Folge wachsen aus den schon zahlreich ansässigen Schuhmachern und Webern Neumünsters wichtigste Gewerbebereiche des 18. und 19. Jahrhunderts, die Ledergerberei- und Lederverarbeitung und die Wollfärbe- und Tuchindustrie Neumünster wurde schließlich Knotenpunkt von sieben Bahnlinien und mit dem Bau der ersten Kunststraße des Landes von Kiel nach Altona im Jahre 1840 entwickelt sich die Stadt zu einem Zentrum der deutschen Tuch- und Lederindustrie. Nach dem Niedergang der industriellen Blütezeit am Anfang des 20. Jahrhunderts behielt Neumünster seine zentrale Rolle und ist auch heute noch Oberzentrum im Lande.
Zeugnisse der vergangenen industriellen Blütezeit zeigt vor allem das noch junge Museum Tuch + Technik. Auf den damit verbundenen damaligen Wohlstand lässt auch eine beachtliche Architektur noch vorhandener Stadtvillen schließen, die sich insbesondere entlang der Schwaleufer nördlich vom zentralen Großflecken finden lässt.
Entlang dieses innerstädtischen Grünzuges, der sich über die unlängst eröffneten “Gartenrouten” erwandern und “erradeln” lässt, geht es zum lohnenswerten Gerisch-Skulpturenpark.
Der Tierpark Neumünster wurde 1950 als eine naturkundliche Erholungs- und Bildungsstätte gegründet und hat sich im Laufe der Zeit von einem Heimattiergarten zu einem modernen zoologischen Garten entwickelt.
Mit dem Bau der Holstenhallen 1938 schafft die Stadt die Voraussetzung für eine Entwicklung zur Messestadt und zum zentralen Treffpunkt der Pferdesport- und -zuchtliebhaber.
Wer die Besonderheit der Natur eines Hochmoores erleben will – einem der best erhaltenen in Schleswig-Holstein – dem bietet sich als kleiner Abstecher eine Tour durch das im Norden der Stadt gelegene Dosenmoor an, vielleicht verbunden mit einer erholsamen Badepause am benachbarten Einfelder See.
(Text: Matthias Trauzold)
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TIPP: Ein Ausflugsziel am Ochsenweg nahe Neumünster ist u.a. der Hof Schnoor in Padenstedt (Poststraße 14). Die Hauptbetriebszweige sind der Kartoffelanbau und seit Anfang 2011 die Legehennenhaltung. Ganz neu hinzugekommen ist der kleine Hofladen, in dem man neben Kartoffeln und Eiern so allerlei Produkte aus der Region erhalten kann – zum Beispiel auch Deko-Artikel für den Wohn- und Gartenbereich – teils individuell handgefertigt. Am 25. September 2011 feiert der Hof Schnoor sein erstes Hoffest mit einem vielfältigen Informations- und Unterhaltungsprogramm und lädt dazu alle Interessierten ein.

In der Tourist-Information können Sie einen Flyer über den Ochsenweg bekommen.
Darüber hinaus gibt es eine Radwanderkarte “Ochsenweg – Auf den Spuren des historischen Ochsenweges in Schleswig-Holstein” vom Bielefelder Verlag für 9,95 € (ISDN 978-3-87073-441-1)
Ferner gibt es eine Karte des Esterbauer-Verlags zum Ochsenweg
Informationen im Netz zum Ochsenweg z.B. auf Schleswig-Holstein Tourismus.